Verzweifelte Suche nach Logik bei der SPD

Zugegeben, für mich als Niedersachse steht sachsen-anhaltinische Landespolitik nicht im Zentrum meines Interesses. Welche Regierungskonstellation vor Ort besonders geeignet ist, vermag ich auch nicht zu beurteilen. Aber über eine Kuriosität muss gesprochen werden und für diese ist mal wieder die merkwürdigste aller Parteien verantwortlich: Die alte Tante SPD, die immer wundersamer wird. Man konnte sich vor der Wahl durchaus eine Koalition mit der Linken vorstellen, aber Obacht: Nur, wenn man selbst stärker wird als die Linke. Als leicht kleinerer Partner – wenn auch prozentual nahezu auf Augenhöhe – wolle man keinesfalls in eine solche Koalition einsteigen. Spitzenkandidat Jens Bullerjahn möchte lieber wieder mit der CDU regieren und als Juniorpartner ohne Augenhöhe fungieren.

Ein Linker darf nicht Ministerpräsident werden, lautet die Devise der Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt – wie auch zuvor schon in Thüringen. Linke dürfen hingegen durchaus stellvertretende Ministerpräsidenten werden und sind auch sonst ministrabel, aber nur dann, wenn sie gefälligst bei einer Landtagswahl schlechter abschneiden als die Sozialdemokraten. Die SPD, die bundesweit einen zaghaften Aufwärtstrend genießt, war sich nicht zu schade, diese Gedanken bereits im Wahlkampf zu vertreten und wurde vielleicht auch deswegen abgestraft.

Verzweifelt auf der Suche nach Logik folgt der Blick auf den Spitzenkandidaten und potentiellen Ministerpräsidenten Wulf Gallert von der Linken. Dieser muss bestimmt ein gefährlicher Sektierer und linker Spinner sein, vor dem die SPD Sachsen-Anhalt bewahren will. Doch schon rein äußerlich wirkt Gallert eher wie ein Ortsvorsteher des Magdeburger Beamtenbundes. Einer, der quasi in jede Partei passt, nur nicht in die Linkspartei. Ein „knallharter Realpolitiker“ soll er zudem sein, einer, der keine „utopischen Träumereien“ verfolgt. Von diesen wiederum scheint SPD-Mann Jens Bullerjahn um so stärker besessen zu sein, denn man munkelt, dass er sich am Ende doch noch Rot-Rot vorstellen könne, wenn der SPD als drittstärkste Kraft das Amt des Ministerpräsidenten zufiele. Über politische Inhalte wurde übrigens noch nicht nachgedacht.

von Jan am mit Kommentare deaktiviert für Verzweifelte Suche nach Logik bei der SPD

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