Christian Scholz

Open Data – Eine Diskussion

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Christian Scholz

Foto: Christian Scholz

Am gestrigen Montag hat sich die Landesarbeitsgemeinschaft „Demokratie und Recht“ der Grünen NRW getroffen. Der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung war ein Vortrag zu „Open Data“ von Christan Scholz.

Open Data ist die „Öffnung von Daten des öffentlichen Sektors für die Allgemeinheit“. Grundsätzlich geht es darum alle, von der Verwaltung gesammelten Daten öffentlich zu machen. Während des Vortrags wurde weiterhin betont, dass auch Daten, die durch Crowdsourcing entstanden sind, genutzt werden können. Als Beispiele für Daten, die durch Open Data veröffentlicht werden sollen wurden Umweltdaten, Haushaltsdaten, Termine, Polizeistatistiken und Bevölkerungszahlen genannt. Personenbezogene und sicherheitsrelevante Daten sollen hingegen nicht veröffentlicht werden.

Nun zum Vortrag von Christian:

Christian begann mit einer Einführung von Open Data, da die meisten Anwesenden mit dem Thema nur am Rande vertraut wurden. Nach der Einführung stieg Christian tiefer in das Thema ein um zu zeigen, worauf bei Open Data zu achten ist. Er hat betont, dass es bei Open Data um Rohdaten geht. Kommentierte Daten gibt es bereits zuhauf, jedoch sind insbesondere die Rohdaten interessant um der Bevölkerung eine unkommentierte Analyse zu ermöglichen.

Das wichtigste Argument für die Bereitstellung von Daten ist die Tatsache, dass diese Daten mit Steuergeldern erhoben wurden. Diese sollen auch von der Bevölkerung analysiert werden können um mit der Verwaltung eine Diskussionsmöglichkeit auf Augenhöhe zu erlauben. Es geht insbesondere um politische Teilhabe durch Transparenz. Dies kann sich in innovativen Projekten widerspiegeln und einen durchaus beachtlichen Wirtschaftsmotor darstellen.

Beispiele für Open Data lassen sich insbesondere in Großbritannien finden. Unter Openspending.org kann man zum Beispiel den Haushalt von Großbritannien sehr positiv veranschaulicht abrufen. Dieses Projekt konnte jedoch nur entstehen, weil in Großbritannien die Rohdaten des Haushalts von der Regierung veröffentlicht werden. Was man aus derartigen Daten auch machen kann lässt sich sehr einfach mit einem Blick auf Wheredoesmymoneygo.org erklären.

In Deutschland gibt es bislang jedoch kaum derartige Projekte. Als herausstechendes Gegenbeispiel sticht hierzulande Frankfurt Gestalten heraus. Für Deutschland ein ziemlich einzigartiges Projekt, da von Seiten der meisten Kommunen keine Rohdaten zur Verfügung gestellt werden.

Christian erklärte nun weiterhin, wie man mit Open Data am Besten umgehen sollte.

Zuerst muss man einen Paradigmenwechsel vollziehen. Vom Grundsatz: alles ist geheim, zum Grundsatz: alles ist öffentlich. Und vom Grundsatz: nur private Nutzung, zum Grundsatz: freie Nutzung. Es muss für alle Menschen und Organisationen möglich sein die Daten so zu nutzen, wie es gewünscht ist, ohne Rücksicht auf Copyrights oder ähnliches zu nehmen.

Die Daten müssen deshalb lizenzfrei und maschinenlesbar veröffentlicht werden. Veröffentlichte Daten sind grundsätzlich für jedermann für jegliche Zwecke, auch kommerziell, ohne Einschränkungen kostenfrei nutzbar. Auch Weiterverbreitung und Weiterverarbeitung müssen erlaubt sein.

Eine Möglichkeit um Open Data in Deutschland weiter zu fördern sind insbesondere Wettbewerbe, wie der in München veranstaltete MOGDy.

Hier endete Christians Vortrag und eine sehr lebhafte Diskussion wurde eingeleitet.

Kritiker thematisierten insbesondere Datenschutzprobleme, da es auch personalisierbare Daten gibt, die auf den ersten Blick sehr harmlos erscheinen, auf den zweiten Blick jedoch für durchaus problematische Themen hinhalten können. Als Beispiel wurden hier Bonitätsprüfungen genannt, die durch bestimmte Daten weitaus einfacher vonstatten gehen könnten. Dieses Argument wurde mit dem Kommentar begegnet, dass man durch das Zurückhalten von Daten nur ein Symptom bekämpft und dass es in diesem Fall besser wäre das Problem direkter anzugehen.

Die Diskussion war in diesem Punkt sehr gespalten zwischen Open Data Befürwortern auf der einen und Datenschützern auf der anderen Seite. Auch wurde der allgemeine Nutzen von Open Data ein bisschen in Zweifel gezogen, wobei von Seiten der Open Data Fraktion erwidert wurde, dass der Nutzen bislang kaum absehbar ist, da es viel zu wenig Kommunen gibt, die mit ihren Daten offen umgehen. Ein weiteres Argument gegen Open Data waren arbeitsrechtliche Bedenken, da sich mit Open Data zum Beispiel sehr einfach herleiten lässt, welcher Sachbearbeiter schneller und welcher langsamer arbeitet.

Die Diskussion musste leider nach guten zwei Stunden abgebrochen werden, da die Zeit am Ende sehr knapp wurde. Es war aber auf jeden Fall ein sehr interessanter und informativer Abend, der ein weiteres, sehr spannendes Thema in die LAG „Demokratie und Recht“ gebracht hat. Am Ende denke ich, dass sich die Zahl der Befürworter mit denen der Kritiker in etwa die Waage hielt. Es wurde jedoch beschlossen, das Thema ein weiteres Mal für ein späteres Treffen auf die Tagesordnung zu setzen um die Diskussion weiter zu führen.

Anwesend waren, neben vielen Grünen, auch Mitglieder des Bochumer Kreisverbandes der Piratenpartei, sowie fukami und Birgit Rydlewski, die ehemalige Landesvorsitzende der Piraten. Insgesamt kann man sagen, dass es wohl selten eine derart gut besuchte LAG Sitzung gegeben hat. Die knapp 30 Teilnehmer mussten noch zusätzliche Stühle in den Sitzungsraum tragen, gerechnet wurde augenscheinlich mit deutlich weniger Besuchern.

Ich kann nur sagen, dass mir der Abend sehr gut gefallen hat. Der Vortrag von Christian war, wie immer, sehr hörenswert und die folgende Diskussion war ziemlich spannend. So kann Politik wirklich Spaß machen.

von Johannes am mit Kommentare deaktiviert für Open Data – Eine Diskussion

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