Mehr als 200000 Menschen demonstrieren gegen Atomkraft – ein erster Sargnagel für Merkel?

Köln, Hamburg, Berlin, München. In den vier größten deutschen Städten sind heute geschätzt 210000 Menschen gegen Atomkraft auf die Straße gegangen. Dabei wurde der Protest von einer breiten Masse getragen. Neben den politischen Parteien(Grüne, SPD, Linkspartei), hat ein breites Bündniss aus Organisationen zu den Großdemonstrationen aufgerufen. Veranstalter der Demo war das Bündnis Ausgestrahlt.


Nach Angaben des Veranstalters war die dezentrale Demonstration die größte, die je im Bereich der Anti-AKW Bewegung stattgefunden hat. Doch selbst wenn dies nicht der Fall wäre: Der Fakt, dass diese Demonstration in knapp einer Woche organisiert wurde zeigt, wie sensibel die deutsche Bevölkerung auf dieses Thema reagier. Die Laufzeitverlängerung und das Wahlkampfmanöver „Moratorium“ haben sicherlich nicht dazu beigetragen die Gemüter in diesem Punkt zu beruhigen.

Doch seien wir mal ehrlich: Dies war auch nie die Intention des konservativen Lagers. Mappus war sicherlich nie der absolute pro-Atom Ideologe. Für ihn war die Atomkraft nur ein Mittel zum Zweck um sich in Zeiten schlechter Umfragewerte vernünftig profilieren zu können. Doch der Schuß ist gehörig nach hinten losgegangen. Mit der Katastrophe von Fukushima erscheinen die Atomliebhaber als skrupellose Machpolitiker, die Menschenleben opfern würden um die Strompreise halbwegs günstig zu halten.
Selbstverständlich ist es abwegig dies den Atombeführwortern direkt zu unterstellen. Dies ändert aber nichts an dem Stigma, das sie von nun an in der Bevölkerung haben werden.

Mappus politische Karriere wird sich vermutlich morgen in Luft auflösen. Alles andere wäre maximal einem undemokratischen Wahlsystem geschuldet, das der Partei mit den meisten Stimmen zu viele Mandate einräumt. Doch selbst dieses Szenario scheint mittlerweile extrem abwegig. Zu sehr ist Schwarz-Gelb in den Umfragen abgeschlagen. Die FDP muss mittlerweile sogar wieder um den Einzug in den Landtag bangen.

Und selbstverständlich wird eine Wahlniederlage in Stuttgart auch das politische Berlin erschüttern. Am Ende könnte sich die Atomfrage als erster Sargnagel für Merkel erweisen. Und Westerwelle? Der kann im Falle einer Wahlniederlage eigentlich nur froh sein, dass die FDP wahrscheinlich niemanden hat, der ihn als Aussenminister ersetzen könnte.

von Johannes am mit Einem Kommentar

One Response to “Mehr als 200000 Menschen demonstrieren gegen Atomkraft – ein erster Sargnagel für Merkel?”

  1. Jan
    00:24 am 27. März 2011

    Schöner Artikel! Ich wäre heute auch gerne dabei gewesen (in HH), konnte aber leider terminlich nicht.
    Meine Prognose für morgen: Ich denke, dass die FDP in Ba-Wü deutlich die Fünfprozenthürde überspringen wird. Dafür werden die Leihstimmen von der CDU sorgen. Grün-Rot müsste es eigentlich trotzdem packen. Worst Case aus oppositioneller Sicht wäre, wenn die Linke 4,9 % holt und dann Schwarz-Gelb im Parlament leicht vorne liegt. Kaum besser wäre der Einzug der Linken mit der Folge, dass dann Mappus mit der SPD oder den Grünen regiert. Ich sage es nicht gerne, aber am Ende könnte sich die Linke ungewollt als der größte Wahlhelfer für Mappus entpuppen. Rot-Rot-Grün wäre zwar in dem Fall die logischere Konsequenz, aber speziell für Ba-Wü wohl ein zu großer Kulturschock.

    Nachtrag: Laut div. Medienberichte waren es sogar rund 250.000 Menschen.