Kleinkarierter SWR erster Verlierer im Spitzenduell

Stefan Mappus (CDU) und Winfried Kretschmann (Grüne) sind die zwei Spitzenkandidaten, die bei der baden-württembergischen Landtagswahl im März die besten Karten im Kampf um das Amt des Ministerpräsidenten haben. Spitzenkandidat Nils Schmid von der SPD geht als Außenseiter ins Rennen. Soweit die Realität der Gegenwart, die – gestützt durch seit Monaten stabile Umfragewerte für die Grünen – niemand in Abrede stellen wird.
Nun ist aber die Realität der Vergangenheit eine andere. Bei der Landtagswahl 2006 erreichte die SPD den zweiten Platz. Genau darauf stützt sich gerade der Südwestrundfunk (SWR) als Ausrichter des Spitzenduells. Chefredakteur Michael Zeiß möchte es an „Wahlergebnissen festmachen“ und sich nicht an „flüchtigen Umfragen“ orientieren. Dabei interpretiert der SWR „flüchtig“ etwas eigenartig, denn die Grünen liegen in dem Bundesland seit fünf Monaten vor der SPD. Dies wird unter anderem auch durch Umfragen dokumentiert, die der SWR in Auftrag gegeben hat. Zeitweise betrug der Abstand sogar 19 Prozent.

Nun sollte man Umfragewerte tatsächlich nicht überinterpretieren und es wäre unwürdig, bei diesem Duell die SPD durch die Grünen zu ersetzen. Auch vergangene Wahlergebnisse müssen bei der Zusammenstellung eines Duells eine Rolle spielen. Es ist aber ebenso kleinkariert und albern, wenn der SWR die Gegenwart, die nun einmal nur durch Umfragen dokumentierbar ist, vollends ignoriert. Möchte man eine faire Auseinandersetzung gewährleisten, kann es nur eine Lösung geben: Kein Duell, sondern ein Dreikampf zwischen Mappus, Kretschmann und Schmid.

Aber was ist hier eigentlich fair? Ist es gerecht, kleine etablierte Parteien – in diesem Fall FDP und die Linke – auszuschließen? Oder anders gefragt: Passen Spitzenduelle, wie sie eigentlich bei Präsidentenwahlen üblich sind, überhaupt zu einer parlamentarischen Demokratie? Wir wählen keine Ministerpräsidenten oder Bundeskanzler. Man sollte den TV-Wahlkampf generell wieder auf die traditionellen „Elefantenrunden“ mit Vertretern aller Parteien konzentrieren. Schließlich leben wir nicht in einer Präsidialdemokratie und das ist auch gut so.
Die Südwest-Grünen täten gut daran, gerade jetzt genau darauf hinzuweisen, anstatt ausschließlich mit Schaum vorm Mund die Anhänger zu Protesten aufzufordern.

von Jan am mit 6 Kommentaren

6 Responses to “Kleinkarierter SWR erster Verlierer im Spitzenduell”

  1. Tweets that mention Kleinkarierter SWR erster Verlierer im Spitzenduell - politikblog.org -- Topsy.com
    21:10 am 3. Februar 2011

    […] This post was mentioned on Twitter by Jan Knöttig, FREIE WÄHLER HH and politikblog.org, politikblog org. politikblog org said: Kleinkarierter SWR erster Verlierer im Spitzenduell: Stefan Mappus (CDU) und Winfried Kretschmann (Grüne) sind d… http://bit.ly/g5zwSl […]

  2. JRehborn
    21:27 am 3. Februar 2011

    Sehr schöner Kommentar. Der letzte Abschnitt gefällt mir am besten. Ich denke auch, dass Kandidatenduelle einer parlamentarischen Demokratie nicht besonders würdig sind. Ich kann die Grünen natürlich verstehen und ich hätte im Reflex selbst so gehandelt. Aber nichts desto trotz sollte darauf gepocht werden, dass alle parlamentarischen Kräfte vertreten werden.

    Nur so macht eine parlamentarische Demokratie auch langfristig Sinn.

  3. Markus
    13:25 am 3. März 2011

    Das mit der Berichterstattung in den Baden-Württembergischen Medien ist so eine Sache…
    Insbesondere zu Stuttgart 21 ist die Berichterstattung sehr zurückhaltend. Der Bürger soll das ware Ausmaß der Proteste nicht ganz mitbekommen..
    In google nach Schlagworten wie:

    S21 Hofberichterstattung Zensur

    suchen.

  4. Jan
    14:39 am 3. März 2011

    Apropos, mich erstaunt, wie sehr sich die Stimmung in so kurzer Zeit gewandelt hat. Die Grünen liegen jetzt mit 19 Prozent klar hinter der SPD (26): http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/baden-wuerttemberg.htm
    Damit wird natürlich der Schwerpunkt meines Artikels ein wenig ad absurdum geführt. Am wichtigsten war mir aber in der Tat der letzte Absatz!

  5. Rubikon
    14:07 am 12. Mai 2012

    @Jan: tja, wie man sich doch täuschen kann… (auf den letzten Kommentar vom 3.3.2011 bezogen)

  6. Jan
    16:36 am 28. Mai 2012

    @Rubikon: Mein Kommentar stützte sich auf die damaligen Umfragewerte acht Tage vor Fukushima.

    (Sorry für die späte Freischaltung! Neue Kommentare fallen leider erst spät auf, weil das Blog inaktiv ist)