JMStV: Ein Barcamp? Ein Barcamp!

Vor ein paar Wochen ging in Berlin die diesjährige re:publica zu Ende. Das Klassentreffen der Bloggosphäre war mal wieder ausverkauft und dementsprechend gut besucht.
Etwas ähnliches fand letzten Samstag für den politisch aktiven Teil der Netzcommunity statt. Das JMStV-Camp, initiiert von Christian Scholz, schaffte es immerhin knapp 100 Leute für das Thema zu interessieren.

Die Auftaktsession des JMStV-Camps. Photo: Benjamin Jopen (CC BY-SA)

Unter anderem waren Matthi Bolte von den Grünen, Veith Lemmen von den Jusos, der Medienpädagoge Jürgen Ertelt, sowie Michele Marsching von der Piratenpartei, Alvar Freude, Marko Dörre und Thomas Mike Peters von Telemedicus mit dabei.

Das ganze wurde Samstag morgen um 10:00 von Christian eröffnet. Dort wurde auch erstmal für diejenigen, die (wie ich) noch nie auf einem Barcamp waren, erklärt, was ein Barcamp überhaupt ist. Im Grunde ist das ganz einfach erklärt: Ein Barcamp ist eine Konferenz ohne feste Themen. Jeder kann ein Thema vorschlagen und wenn sich genug Leute finden wird das halt bearbeitet. Damit fing das ganze auch an. Die ersten Themen wurden vorgeschlagen und knapp eine halbe Stunde später ging es dann auch los.

Ich möchte auf die ganzen bearbeiteten Themen nicht groß eingehen. Dies würde defintiv den Rahmen dieses Beitrags und meine verfügbare Zeit sprengen. Dies ist auch nicht notwendig, da es hier eine Zusammenfassung fast aller Sessions hier gibt.

Ein kurzes Fazit möchte ich trotzdem ziehen:

  • Die Art der bearbeiteten Themen war großartig. Mein Einstieg war die Diskussium über die JIM und KIM-Studien. So viel geballtes Fachwissen habe ich lange nicht mehr erlebt. Die Session ist sogar um eine Stunde verlängert worden, weil doch ein größerer Redebedarf bestand.
  • Genervt haben dann doch die Metadiskussionen. Oftmals wurde bei Diskussionen über die allgemeine Notwendigkeit des JMStV diskutiert, auch wenn das Thema damit gar nichts zu tun hatte. Auch wurde sehr oft vom Thema abgewichen. Aber spannend war das Thema nichtsdestotrotz.
  • Bestechend war die Anzahl der Piraten vor Ort. Insgesamt waren wohl mehr Piraten anwesend, als Mitglieder der anderen Parteien insgesamt. Neben den Piraten waren jeweils eine handvoll SPDler und Grüne, sowie ein Mitglied der CDU anwesend. Dies zeigt mal wieder, dass die Netzpolitik dann doch noch nicht so sehr in den Köpfen der jeweiligen Parteien angekommen ist. Positiv war jedoch die Tatsache, dass mehrere Landtagsabgeordnete anwesend waren.
  • Schlussendlich zeugte die Veranstaltung von einer erwachsen gewordenen Netzcommunity. Die Qualität der Disksussionen war doch ziemlich hochwertig und erstaunlich unaufgeregt. Das Camp hat jedoch deutlich gemacht, dass beim JMStV noch viel Redebedarf besteht. Ein wirklich eindeutiger Weg hat sich bis zum Ende nicht heraus kristalisiert. Klar war am Ende nur, dass beim nächsten Anlauf deutlich genauer auf Forschungsergebnisse gepocht werden muss, da die bisherige Quellenlage (abgesehen von den oben genannten Studien) doch relativ dünn ist. In diesem Punkt muss die Netzcommunity meines erachtens deutlich mehr auf Pädagogen zugehen, die doch nur recht spärlich vertreten waren, um noch mehr Fachkentnisse zu erwerben.

Ich denke, dass mit diesem Camp ein wirklich guter Weg begonnen wurde. Es kann jedoch nicht die letzte derartige Veranstaltung geblieben sein, da bisher nur die aktuelle Debatte wirklich aufgerollt werden konnte. Um etwas neues zu Entwickeln wird es sehr viel Zeit brauchen. Zeit, die sich die Politik dringend nehmen muss um ein erneutes Desaster wie 2010 zu vermeiden.

Netzpolitik.org hat übrigens eine Vielzahl von Interviews zu dem Thema veröffentlicht. Da sind einige sehr sehenswerte bei.

 

von Johannes am mit Einem Kommentar

One Response to “JMStV: Ein Barcamp? Ein Barcamp!”

  1. sensiblo chamaeleon
    14:23 am 8. August 2011

    Ein sinnvoller Jugendmedienschutz muß eine effektive Bekämpfung der modernen Sklaverei auf internationaler Ebene beinhalten. Was ist das eigentlich für eine technische Struktur, die es ermöglicht, daß Opfer von Menschenhandel millionenfach im Internet ausgebeutet und zur Schau gestellt werden können, ohne daß das jemand verhindert ?
    Dieser Zusammenhang wurde in den bisherigen Diskussionen und Konferenzen zu stark ausgeklammert.
    http://sensiblochamaeleon.wordpress.com/2009/04/13/zensur-und-jugendschutz-und-bitte-teilen-sie-mir-ihre-kritik-nicht-telepathisch-mit-sondern-in-form-eines-kommentars-oder-einer-mail-oder-eines-telefonanrufs-oder-ekiga-skype-jabber-danke/