Ein begrüßenswerter und gerechter Mord?

Osama Bin Laden ist tot. Es ist die Nachricht des Tages und man kann wohl davon ausgehen, dass es sich nicht um eine Ente handelt. Anderenfalls wäre die Blamage angesichts der Inszenierung, mit der Barack Obama sie feierlich verkündete, unermesslich. „Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan“, so der US-Präsident. Bundeskanzlerin Merkel empfindet „Erleichterung“. Außenminister Westerwelle „begrüßt“ den Tod Bin Ladens. Das sei eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt.

Als „friedliebender und freiheitlich denkender Mensch“ empfinde ich hingegen weder „Erleichterung“ noch das Gefühl von „Gerechtigkeit“ und von einer „guten Nachricht“ mag ich auch nicht sprechen. Viel mehr ist es ein bitterer Tag, weil Terror mit Terror beantwortet wurde. Dem Terrorführer Osama Bin Laden ist keine Träne nach zu weinen, aber seine Ermordung sollte niemand feiern. In den nächsten Tagen wird hoffentlich Nüchternheit einkehren und dann wird man zu hinterfragen haben, ob es – vielleicht mit etwas mehr Geduld – eine Möglichkeit gegeben hätte, Osama Bin Laden lebend zu fassen, um ihn rechtsstaatlich zu verurteilen. Ein solches Verfahren hätte weltweit ein Zeichen gesetzt. Ein Zeichen des Friedens und der wahren Gerechtigkeit. Das Signal, das heute abgegeben wurde, ist mal wieder ein fatales, das Al Kaida Auftrieb verleihen wird. Die Todesspirale des wechselseitigen Terrors wird sich mit dem heutigen Tag nicht nur weiter drehen, sie wird sich beschleunigen.

von Jan am mit 3 Kommentaren

3 Responses to “Ein begrüßenswerter und gerechter Mord?”

  1. flow
    23:04 am 3. Mai 2011

    danke für den kommentar!
    seit der meldung von der ermordung! bin ladens geht es mir nicht aus dem kopf: gibt es den gerechten mord, gelten jegliche konventionen nicht mehr, aufgabe der rechtstaatlichkeit bei genügendem bedarf?
    was werden unsere richter sagen, falls ein mörder vortritt und ihnen von der gerechtigkeit seines mordes behauptet …
    und gott, dem wir einmal alle rache überlassen wollten, ist ja wohl schon lange keine instanz mehr.
    wir geben freiheit, recht und moral gegen sicherheit auf, die es niemals geben wird.

  2. Jan
    01:40 am 4. Mai 2011

    Die Rechtsstaatlichkeit darf m.E. niemals aufgegeben werden, auch nicht partiell. Macht man es dennoch, gibt man den Rechtsstaat komplett auf. Die laxen Reaktionen unserer Politiker erstaunen mich immer noch.

    Volker Pispers greift das Thema (Merkels „Erleichterung“) auch auf: http://www.youtube.com/watch?v=Zj_BJtJa1-4

  3. Manu
    21:19 am 23. September 2011

    Ich glaube von all den offiziellen Versionen nicht ein einziges Wort.
    Wäre diese Medieninzenierung wirklich echt gewesen, dann wäre er auch zu sehen gewesen und auch all das Herumgerede hinterher.
    Für mich alles nur gelogen und inzeniert, denn nirgends wird so viel gelogen wie in der Politik