Die CDU schneidet sich ins eigene Fleisch

Es darf neidlos anerkannt werden, dass die PR- und Werbestrategen aus dem Konrad-Adenauer-Haus mit der Erfindung des Schlagwortes „Dagegen-Partei“ als Kennzeichnung für die Grünen einen guten Job gemacht haben – aus der politischen Perspektive der CDU betrachtet. Die Medien haben das Wort transportiert, so dass jeder politische Beobachter diesen Begriff als Synonym für die Grünen wahrnimmt.
Was man bis jetzt als durchaus gelungenes „Negative Campaigning“ betrachten kann, könnte sich nun zu einem Wahlkampf-Klamauk entwickeln, mit dem sich die CDU am Ende ins eigene Fleisch schneidet. Denn nun gibt es die-dagegen-partei.de, ein CDU-Portal, das die Botschaft „die Grünen sind destruktive Nein-Sager“ kurz vor einigen wichtigen Landtagswahlen bekräftigen soll.

CDU-Kampagne "die-dagegen-partei.de" (Screenshot)

Es fällt auf, dass der Süden der Republik auf der Seite in den Vordergrund rückt, während der hohe Norden beinahe nur noch schemenhaft zu erkennen ist. Geht es also um die Landtagswahlkämpfe in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz? Das sind zweifelsohne die wichtigsten Kämpfe, die die CDU in diesem Frühjahr zu bestreiten hat.
Es soll suggeriert werden, dass der Protest von der Basis kommt. Besucher werden aufgerufen, an die CDU zu mailen, wenn die Grünen auch in ihrem Ort eine Contra-Position vertreten. Genannt werden auf der grünen Deutschland-Karte die „Dagegen“-Positionen der Grünen. Manche tauchen gleich dreimal auf, so zum Beispiel die „Schnellbahnstrecke zwischen Hannover, Hamburg und Bremen“.

Fazit: Die Anti-Grünen-Kampagne hinterlässt viele Fragen. Denn auch die zu mobilisierende Zielgruppe – die immer wahlmüdere und teilweise auch wechselwillige Anhängerschaft der CDU – wird wissen, dass die Grünen nicht einfach nur Nein sagen, sondern Alternativen benennen. Vorschläge, über die man streiten kann, aber sie existieren. Das bekannteste Beispiel dürfte „Stuttgart 21“ sein. Die Kampagne verschweigt, dass es mit dem „Kopfbahnhof 21“ einen Gegenentwurf gibt, der unter anderem von den Grünen unterstützt wird. Da, wo die CDU-Kampagne Fragen offen lässt, sucht man sich die Antworten eben woanders. Das Schlagwort „Dagegen-Partei“ hat funktioniert, solange es nicht allzu sehr mit Inhalten verknüpft wurde. Mit „die-dagegen-partei.de“ überspannen die Schwarzen den Bogen. Möglicherweise zugunsten der Grünen, die die Steilvorlage annehmen und nun mit ihren alternativen Positionen kontern können.

Betrachtet man zudem die letzten zehn Jahre, muss man eigentlich konstatieren, dass die Grünen eher zu einer „Dafür-Partei“ mutierten, die eigene Grundsätze mit der Zustimmung beispielsweise zum Afghanistan-Krieg, der Elbvertiefung oder einem Kohlekraftwerk in Moorburg über Bord warfen.
Die Ironie an der CDU-Kampagne ist, dass sie von einer konservativen Partei initiiert wird, die selbst mit ideologisch geprägten „Dagegen“-Haltungen immer wieder Schwierigkeiten hatte, auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.

von Jan am mit 4 Kommentaren

4 Responses to “Die CDU schneidet sich ins eigene Fleisch”

  1. Tweets that mention Die CDU schneidet sich ins eigene Fleisch - politikblog.org -- Topsy.com
    22:19 am 10. Januar 2011

    […] This post was mentioned on Twitter by Eifelsternchen. Eifelsternchen said: RT @politikblog: Zur CDU-Kamapagne "die-dagegen-partei.de": "Die CDU schneidet sich ins eigene Fleisch" http://j.mp/gOiKwK #cdu #gruene … […]

  2. Frank
    22:43 am 13. Januar 2011

    Die Grünen als die Neinsager hinzustellen entspricht wirklich nicht der Realität. Man kann vermuten, dass die CDU bei den diesjährigen 6 Landtagswahlen wohl schlecht abschneiden wird. Jetzt mit dem Dioxion-Skandal werden noch mehr Bürger bundesweit zu den Grünen schwenken. In Baden-Württemberg und Berlin kann sogar laut den Umfrageergebnissen mit einem Wechsel der Landesregierung gerechnet werden. Man wird sehen was die Wahlen bringen werden.

  3. Kampagnenjournalismus bei Spiegel Online | politikblog.org
    21:21 am 24. Juni 2011

    […] erscheint. Es geht schon mit der Überschrift los, bei der Meiritz jegliche Distanz zu einer misslungenen Anti-Grünen-Kampagne der CDU vermissen lässt. Es ist schon schwierig einen Kampagnenbegriff wie […]

  4. Autobahnausbau ökologisch und ökonomisch fatal | webthemen
    19:01 am 15. Januar 2012

    […] einem Jahr schrieb ich: Es darf neidlos anerkannt werden, dass die PR- und Werbestrategen aus dem Konrad-Adenauer-Haus mit […]