Erneuerbare Energien

2015: „Gas, Wind und Sonne liefern Strom ohne Atom“

Gelegentlich gibt es sogar bei der ARD zwischen den vielen Talkshows gute Reportagen. Am späten Mittwoch wurden die Zuschauer zunächst auf eine harte Probe gestellt, als Atomlobbyist Wolfgang Clement bei Plasberg Angst vor dem vermeintlichen Blackout infolge des Atomausstiegs schürte. Wer durchhielt, wurde kurz vor Mitternacht zur schlechtesten Sendezeit mit der Reportage „Strom ohne Atom: Wie wir den Ausstieg schaffen“ belohnt. Nüchtern, ruhig und faktenorientiert dokumentiert der Film einen möglichen Atomausstieg mit Stufen bis 2015. Knapp zusammengefasst werden Erneuerbare Energien massiv ausgebaut, während ohnehin geplante Gaskraftwerke als flexibel einsetzbare Brückentechnologie dienen. Für die bessere Versorungssicherheit wird über Seekabel deutsche Windkraftenergie mit norwegischer Wasserkraft gekoppelt. Deutscher Strom wird in Norwegen gespeichert und genutzt, um jederzeit wieder abgerufen werden zu können. Das demnächst stillgelegte Atomkraftwerk Unterweser in Esenshamm könnte als Standort für das notwendige Umspannwerk dienen. Unterm Strich werden ab 2013 auch einige alte Braunkohlekraftwerke im Osten vom Netz genommen.

2015 gehen die letzten beiden AKW vom Netz. „Gas, Wind und Sonne liefern Strom ohne Atom und erste große Geothermieanlagen liefern Strom aus Erdwärme“. Eine schöne Vision. Die Realität? Mit merkelscher Langsamkeit bei Gewinnmaximierung für die Energie-Oligopolisten soll der Atomausstieg bis 2022 hinausgezögert werden.
Die gute Nachricht zum Schluss: Wer schon bei Clement die Flimmerkiste ausgeschaltet hat, kann sich die Reportage noch einige Tage in der ARD-Mediathek anschauen. Knapp 45 Minuten, die sinnvoller als 75 Plasberg-Minuten investiert sind.

von Jan am mit Einem Kommentar

One Response to “2015: „Gas, Wind und Sonne liefern Strom ohne Atom“”

  1. “Kernenergie ist eine Brückentechnologie” (Kampfslogan #1) | politikblog.org
    21:35 am 12. Juni 2011

    […] Leser werden festgestellt haben, dass auch in einem unserer Artikel der Begriff “Brückentechnologie” verwendet wird. Soll man – so wie es eine Facebook-Seite fordert – das Wort verkniffen als Unwort […]